Wie wir ja bereits vor ein paar Wochen angekündigt hatten werdet ihr auf Germangunners zukünftig regelmäßige Gastbeiträge von Marc Liebe finden können. Ihr findet diese immer unter der passenden Überschrift „Die Liebe Kolumne“. Marc wird sich über aktuelle Themen bei Arsenal und anstehende Verpflichtungen den Kopf zermartern und uns seine Gedanken mitteilen.

Heute könnt ihr sein Erstlingswerk lesen. Gebt ihm Feedback und nutzt die Kommentare. Hoffe euch gefällt unsere neue Rubrik.

Das Ende einer Ära – Goodbye, Project Youth?!?

Es war ein langer, trauriger Sommer, der auf eine noch weitaus traurigere Rückrunde 10/11 folgen sollte. Im Februar lagen Magie und Unvermögen nah zusammen – ein Sieg gegen das beste Team der Ist-Zeit und eine Niederlage im von uns eigentlich so ungeliebten Carling Cup gegen einen späteren Absteiger. Es war unser persönlicher Abstieg, der folgen sollte. Wieder keine Silberware fürʻs Vereinsheim – dann musste auch noch Busacca daher kommen. Es fehlte an allen Ecken – Charakter, Kampfgeist & Zusammenhalt. Arsenal FC glich einem Haufen überbezahlter, lustloser Profis, denen die Passion verloren gegangen war. Konnte man von einem auf den anderen Tag all seine Ambitionen auf der Strecke lassen? Le Professeur schien am Ende. Sollte seine Zeit gekommen sein? Die Geduld der Fans – unsere Geduld – war jedenfalls am Ende.

Vom Anwärter auf die Meisterschaft fielen wir auf den 4.Rang zurück – dem Champions League-Qualifikationsplatz. Wenigstens war Tottenham nicht vor uns. Ein kleiner Trost und Anlass für Songs a la „We riding round Tottenham with our weenies hanging out“. Kein Champagner für unsere nunmehr 6-jährige Durststrecke.

Aber das Transferfenster öffnete sich – ein Raunen ging durch die Blogs, Foren & Twitter. Werden wir Wesley Snijder bekommen, stellen wir Etoʻo neben RVP, geht Bendtner zum großen FC Barcelona, wo er, im Hinblick auf sein Potential, eigentlich hingehört? Wird Cesc einen 10-Jahres-Vertrag unterzeichnen und live und in Farbe auf eines dieser hässlichen katalanischen Trikots mit Xaviʻs aufgedrucktem Gesicht pinkeln? Nimmt Na$ri gar einen wöchentlichen Paycut hin, um dafür bei uns bleiben zu dürfen? Es sollte alles anders kommen.

Carl Jenkinson war unser erster Einkauf – ein Guter für die Zukunft wohlgemerkt. Bekennender Arsenal-Fan seit Kindestagen. Wir brauchen mehr Patrioten. Akzeptiert.

Gervinho (oder auch Gervais Yao Kouassi) – damit hatte ich wahrlich schon nicht mehr gerechnet. Für mich vor 2 Jahren schon ein sehr guter Spieler gewesen und speziell bei der WM in 2010 positiv aufgefallen in einem sonst eher unterirdischen ivorischen Team. Akzeptiert.

Joel Campbell ist mir aktuell ziemlich egal. Hat ja auch nicht wirklich viel Geld gekostet und ist ein klares Indiz für eine Weiterführung des „Project Youth“. Puerto Rico, mami. Warum eigentlich nicht? OK.

Dann wurde es ungemütlich. Das Herz unserer Mannschaft, der britischste Katalane aller Zeiten, die beste Nummer 4, die dieser Verein je gesehen hat (sorry, Vieira – ManCity hat‘s für Dich versaut), wurde nach Barcelona transferiert. Die Schlammschlacht hatte ja schon seit nunmehr 3 Jahren angehalten und irgendwann kam der Moment, wo Cesc Arsene‘s Ziel nicht mehr gesehen hat. Ich kann es ihm nicht verdenken. Er hat Woche für Woche sein Herz für diese Mannschaft gegeben, nicht nur Schweiß und Blut. Meistens war er allein auf weiter Flur. Es fehlte an Qualität, es fehlte jemand an seiner Seite. Jack ist noch zu jung und unerfahren gewesen, um auf Cesc‘ Level zu agieren. Er wird dahin kommen und ich rechne stark damit, dass er der beste englische Spieler wird, der jemals die Cannon auf der Brust getragen hat. Aber Cesc brauchte vorher schon mehr Qualität an seiner Seite. Ich glaube, sein Herz wurde ihm im Februar beim Verfolgen des Desasters im Wembley Stadion gebrochen. An diesem Tag hat man wohl schon seine Freigabe unterschrieben (zumindest imaginär).

Viele Fans haben gemeint, man solle doch jetzt davon ablassen, Cesc noch bei Twitter zu verfolgen. Selbst schuld – hier wird nämlich erst sichtbar, was er auch jetzt noch für Arsenal empfindet. 8 Jahre und auf einmal ist die Liebe weg? Warum sollte er sich die Mühe machen, das Manchester-Spiel anzuschauen, welches mit Sicherheit für ihn nicht weniger schmerzhaft war wie für jeden anderen Fan? Warum sollte er sich nicht darüber informieren dürfen, wer neu zu uns transferiert wird? Zeugt dieses Interesse nicht von Liebe & Verbundenheit? Jeder, der das als reine Farce Cesc‘ betitelt, um uns Arsenal Fans zu befriedigen, der bekommt ein dickes „Cunt“ auf die Stirn tätowiert! Ein Weltklassespieler gehört nun mal in eine Weltklasse-Mannschaft und ehrlich gesagt hat er es sich redlich verdient. An dieser Stelle eine große Verbeugung vor Cesc und seiner Leistung. Du wirst mir fehlen und nur deinetwegen schau ich mir bei 101 Goals Highlights von Barcelona-Spielen an. Du siehst wohlgemerkt in diesem Dreckfetzen echt schlimm aus.

Man sollte hierbei keine Brücke zu Mr. Lesboface aka Samir Na$ri ziehen. Ich freue mich in dem Zusammenhang auf ein paar neue Songkonzepte. Ideen bitte in die Kommentare. „Lesbian faced cunt“ ist allerdings ein inhaltliches Muss. Ein Spieler, der es wahrhaft schaffte, 6 Monate lang eine gute Leistung abzurufen und urplötzlich dachte, er wäre Zinedine Zidane. Gut – es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass er bei seinem Debüt für ManCity nicht mehr als überzeugt hätte. Ich glaube auch, er wird sich dort gut entwickeln. Sollte jemand jedoch einen direkten Draht zu Ryan Shawcross haben, würde ich mich sehr über eine kurze Information hierzu freuen.

Er hätte unser neues Team mit gestalten können – Cesc‘ Position war vakant und somit weitaus mehr Möglichkeiten vorhanden, das Spiel kreativ anzukurbeln. Man kann es sich auch einfach machen und in ein immens gut besetztes Team wechseln. 200.000 Pfund die Woche – wer hätte da wohl „Nein“ gesagt? Leute mit Ehre und Schneid.

Was noch unannehmbarer als seine monetäre Gier war, ist wohl jedem im ersten ManCity- Interview klar geworden. Vor 10 Jahren wusste noch niemand, dass es in Manchester 2 Teams gibt. Innerhalb von 10 Jahren hat es die Anhängerschaft gemeistert, auf einer Stufe mit den wahrscheinlich fanatischsten Fans der Welt (Olympique Marseille) zu stehen? Fans, die sich Wayne Rooney auf ihren Rücken tätowieren mit der Aufschrift „City Legend“? Komm schon, Samir. Das ist ein Affront gegen all die wahren Fussballfans dieser Welt! Und das nachdem Du gegen Barcelona im Emirates auf dem Rasen standest, wo das Stadion beinahe unter den Fanemotionen eingefallen ist? Im Highbury war mehr Stimmung? Ah, stimmt. Du warst ja 2004 bei den Invincibles dabei. Hatte ich doch glatt unterschlagen. Du kanntest nur das Emirates!

Nun gut – wir steigen also in die Saison ein, bleiben gegen Newcastle und Udinese blaß, müssen mit einer B-Mannschaft gegen Liverpool mit 10 Mann eine späte Niederlage einstecken. Die Stimmung war bis dato im Keller, nun wanderte sie gen Erdmittelpunkt.

In Udinese dann ein mehr als ambitioniertes Display und ein komfortabler Sieg. Wir haben kurzzeitig Frieden geschlossen. Dann kam der Tag im Old Trafford. Es tut jetzt noch weh, das Ergebnis auszuschreiben. Die höchste Pleite seit 1896. Are we going to spend some fucking money right now?

Of course, we do! Es wurde das wahrscheinlich beste Transferfenster der letzten 10 Jahre für Arsenal. C.Y. Park, Andre Santos, Per Mertesacker, Yossi Benayoun und zu guter Letzt Mikel Arteta. Boom! So stellt man sich das doch vor. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir unseren Kader mit Qualität aufgestockt haben, deren auch noch Premier League und internationale Erfahrung immanent ist. Eden Hazard, Mario Götze, M‘Villa – überragende

Spieler. Aber hätten sie sich so schnell wie Arteta & Benayoun zurecht gefunden? Ich zweifle doch sehr stark. Jetzt haben wir ein paar Jungs, die Jack, Aaron, Emanuel, Carl, Miquel, Ryo, Alex und Joel an die Hand nehmen und ihnen zeigen, wie der Hase läuft. Wir haben unserem „Project Youth“ endlich wieder die Dimension gegeben, das es in den letzten Jahren so schmerzlich vermisst hat. Für Experimente, Arsene, bleibt der Carling Cup.

Traurig stimmt mich der Ausfall von Jack. Es war jedoch vorauszusehen. Er war ein Gewinner des „Project Youth“ und zugleich auch ein Verlierer. Die Überbelastung hat ihm sein junger Körper am Ende nicht gedankt. Ich hoffe, er bekommt nun seine ihm zustehende Pause. Möge die Macht mit Dir sein, junger Jedi! An Jack werden wir noch sehr viel Spaß haben, Fellow Gooners!
So – jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Swansea-Spiel. Ich erwarte mindestens 4 Tore – ich bin optimistisch, ich weiß. 10 wären mir lieber. Spielt da jemand aus San Marino zufällig? Oder aus dem Libanon? Jedenfalls wächst die Vorfreude auf neue Gesichter in unserem wundervollen 125-Jahre-Shirt. Um Frimpong zu zitieren:
„It‘s going to be dench!“

Good times, fellow gooners! Marc Liebe