„The time has arrived“ wie der Stadionsprecher im Emirates stets so schön zu sagen pflegt. Zwar wird das Finale heute Abend bekanntlich im Wembley Stadion ausgetragen, dass macht die Aussage jedoch nicht weniger zutreffend. Ich sag euch ganz ehrlich und unverblümt, dass ich doch sehr angespannt bin. Ein Gefühlszustand, den ich sicherlich mit allen Arsenal Fans auf der Welt teilen dürfte. Es ist etwas, was sich schon gegen Freitag Nachmittag aufgebaut hat und über Nacht nicht gerade besser geworden ist. Und mit jeder Sekunde des noch frühen Tages habe ich das Gefühl, dass es zunehmen wird. Da hilft nur sich auf das Spiel und die Fakten zu konzentrieren, um nicht völlig die Nerven zu verlieren.

Unser zweites Finale in zwei Jahren mit der Chance auf die Titelverteidigung. Die Chance eine bisher, nach meiner Einschätzung, stark abgeschlossene Saison erneut mit einem Titel zu krönen. Aber auch die Möglichkeit den doch nie verstummenden Kritikern nachhaltig zu beweisen, dass der Titel des letzten Jahres keine Eintagsfliege war sondern der erste Schritt in eine titelreiche Zukunft. Diesmal haben wir es erneut mit einem Gegner aus der Premier League zu tun. Und genau wie im letzten Jahr gegen Hull City sind wir gegen Aston Villa erneut Favorit. Mit Aston Villa stehen wir jedoch einem Gegner gegenüber, der in der abgelaufenen Saison noch so gerade die Kurve bekommen hat und zum Schluss aber auch wieder nicht die beste Form an den Tag legte. Ähnlichkeiten zu letztjährigem Gegner lassen sich nicht vermeiden. Eine Schwäche würde ich darauf jedoch nicht herleiten wollen, zumal die letzten Spiele von Villa sicherlich vom Blick auf das Finale bestimmt waren.

Für Arsenal wird es ganz stark darauf ankommen die Fehler des letzten Jahres zu vermeiden. Das bedeutet im Klartext einen kontrollierten Beginn hinzulegen und sich nicht unmittelbar nach Anpfiff mit leichtesten spielerischen Mitteln in einen Rückstand treiben zu lassen. Aston Villa ist schwer einzuschätzen. Sie können an einem guten Tag jeden schlagen jedoch auch an einem weniger guten Tag gnadenlos untergehen. Gegen Liverpool haben sie im Halbfinale eine bärenstarke Leistung abgerufen. Mit Benteke, Delph oder auch Sinclair sind sie brandgefährlich. Da müssen nicht nur KOS und Merte sonder auch die defensiven Mittelfeldspieler auf Zack sein, um Pässe in die Spitze zu unterbinden. Auch bei Standards wird auf Benteke oder auch den Abwehrchef Vlaar zu achten sein.

Doch wie stellt sich Arsenal auf? Für mich gibt es in der Startformation nur zwei wirklich offene Fragen. Das ist zum einen die Torwartfrage und die seit letztem Wochenende aufgekommene Option in der Sturmmitte. Aus der Erfahrung langer Beobachtung Arsene Wengers heraus gehe ich davon aus, dass er SZE in Anbetracht der von Wenger oft geprägten Loyalität zu seinen Spielern auflaufen lässt. Versteht mich nicht falsch. Ich wäre nicht überrascht, wenn Ospina aufgrund der Leistungen über die Saison und den Vorfall rund um SZE Verbannung aus dem Tor heute plötzlich doch auflaufen würde. Ich kann es mir aus benannten Erfahrungswerten nur schlicht nicht vorstellen. Ob und was dort die richtige Entscheidung ist dürfte auch eine sehr schwer zu treffende sein. Für Ospina spricht, dass er Spielpraxis hat, was sicher in einem Finale nicht ganz unwichtig ist. SZE hatte diese jedoch vor dem Halbfinale auch nicht und lief trotzdem auf. Ich denke wir werden uns dort überraschen lassen.

Die zweite Frage ist wie bereits angeklungen die der Sturmmitte. Giroud klassisch oder doch Theo progressiv? Für Theo haben sich über die letzten Tage viele Fürsprecher gefunden. Er würde die nötige Überraschung und Bewegung bringen. Alles sicher richtig und mit einer Aufstellung könnte ich sicher auch leben. Doch ist für mich eine Entscheidung doch eher für Giroud vorteilhaft. Dies aus zwei Gründen. Er bildet mehr Rückhalt für die Defensivarbeit, die sicher benötigt werden wird, was gleichzeitig mit der Absicherung bei Standards verbunden ist. Zum anderen scheint mir der Einsatz von Theo als Einwechselspieler doch optimaler zu sein, wenn man nochmal Schwung benötigt, respektive den entschiedenen Konter setzen möchte. Diesen Effekt könnte jedoch auch OX bieten, der wohl auf der Bank sitzen dürfte. Sicher kann man sagen, dass Theo gegen eine dicht formierte Abwehr ggf. nicht die Räume hat, um seine Schnelligkeit auszuspielen. Dies hätte er jedoch auch zu Beginn eines Spieles nicht. Denn klar dürfte sein, dass Villa sicher nicht ins offene Messer laufen wird. Im Endeffekt ebenso eine schwere Entscheidung wie die Torwartfrage, wobei man sich an dieser Stelle doch für eine generelle Systemausrichtung entscheiden muss. Giroud als „Brecher“ vorne drin oder die schnelle Passvariante Walcott. Meine Meinung dazu kennt ihr jetzt. Ob diese die richtige ist kann ich leider auch nicht final sagen. Solange wir am Ende den Pokal in die Höhe halten, soll mir schlussendlich egal sein, welches System mit welchem Spieler zum Erfolg geführt hat. Das dürfte die einzige Sichtweise sein, welche man diesbezüglich an den Tag legen dürfte/sollte.

Es wird, wie in jedem Finale, auch eine mentale Komponente mitspielen. Aston Villa hat den Vorteil, dass sie nichts zu verlieren haben. Gleiches galt letztes Jahr für Hull oder auch für die diesjährige Halbfinalbegegnung. Arsenal ist diese Situation also nicht unbekannt doch weiß man trotzdem nie, wie die Mannschaft auf sie reagiert. „Erfahrungswerte nutzen und Handlungen anpassen“ könnte ein netter Spruch aus einem Personalhandbuch dazu lauten. Es klingt simpel. Aber so ist Fußball nun mal oft. Für Arsenal ist es zudem stets wichtig das erste Tor zu erzielen und wenn möglich zeitnah. In solchen Fällen rollt der Ball in der Regel besser. Wie wir im Halbfinale gesehen haben ist dies aber auch nicht immer der Fall.

Trotz der Unterschiede in der Tabelle und der beiden Siege in der Liga gegen Aston Villa dürfte es trotzdem ein Spiel auf Augenhöhe sein. Dies nicht durch den Kader sondern durch die pure Situation eines Finales bestimmt. Wenn man sich das Spiel von Sevilla gegen Nrpo (oder so ähnlich) vom vergangenen Mittwoch anschaut, weiß man, wovon ich spreche. Doch genau an dieser Stelle sind es Spieler wie Özil oder auch Sanchez die den Unterschied machen können und müssen. Sie haben Qualitäten die solche Spiele entscheiden. Und genau diese gilt es erneut auf den Platz zu bringen. Einen oder zwei magische Momente von Santi oder Ramsey wären jedoch auch gerne gesehen.

Hier noch eine kurze Einschätzung von Ray Parlour zum heutigen Spiel mit Dank an Audioboom, die mir diese Audiodatei zur Verfügung gestellt haben.


Mit dem Ergebnis könnte ich sehr gut leben.

Meine Aufstellung stellt sich wie folgt dar:

SZE,Nacho,KOS,Merte,Bellerin,Coq,Ramsey,Santi,Özil,Alexis,Giroud

Wir können hier noch stundenlang über für und wieder sprechen. Über Taktik, Aufstellungen oder Ausrichtungen. Doch am Ende müssen sich die Spieler und auch wir Fans dem Spiel schlicht stellen. Das Spiel wird auf Eurosport übertragen, was generell eine gute Sache ist. Der offizielle Arsenal Fanclub Deutschland trifft sich zudem erneut in Hamburg zum gemeinsamen Finalkonsum. Details dazu findet ihr hier.

Was mich angeht, so dürfte es ein reines Nervenspiel werden. Als vor ein paar Monaten eine Einladung zu einer Hochzeit in meinem Briefkasten lag blickte ich auf das Datum und hatte gleich ein komisches Gefühl. Dieses Gefühl, dass dort doch etwas sehr wichtiges anstehen müsse. Ein Blick in den Terminkalender bestätigte dieses Gefühl. FA Cup Finale! Oh man!! Nun werde ich morgen den Tag damit verbringen meine Anspannung bzgl. des Spiels zu verbergen und gleichzeitig zur besten Essenszeit bei einer Hochzeit möglichst unauffällig diverse Kanäle auf meinem Iphone anzuzapfen, um das Spiel mitzubekommen. Das alles nach Verbrauch meines monatlichen Highspeed Volumens. Wie Barney Stinson stets zu sagen pflegte „ Challenge accepted“. Gut das ich noch @medispolis zur Seite stehen habe, der mich mit einem SMS live ticker auf Stand hält. Bei einem Sieg verspreche ich schon an dieser Stelle einen Kneeslide quer über die Tanzfläche. Wenn nötig vor dem Brautpaar.

Lasst es uns angehen. In diesem Sinne!

Keep the Cup in North London.

Come on you Gunners

Cheers

Chris