Interlull – wie man seine Zeit ohne Arsenal rum bekommt

Alle paar Wochen / Monate wird man auf eine harte Geduldsprobe von Seiten der FIFA gestellt. Der „Interlull“, wie man im Englischen sagt, ist für einen Club-Anhänger schrecklich uninteressant. Natürlich ist es schön zu sehen / lesen / hören, dass „The Ox“ einen Hattrick bei seinem Debüt für die U21 hinlegt, das Ju Young Park einen Doppelpack gegen Polen (mit Fabianski im Tor) erzielt und selbst der viel geschundene Marouane Chamakh für die Löwen aus Marokko trifft. Bestimmt gab es auch Leute, die das Spiel der Deutschen gegen die Türkei äußerst interessant fanden. Mich lässt das ziemlich kalt. Ich muss mir das alles nicht in voller Länge ansehen. Dafür gibt es 101 Great Goals.

Zugestehen muss ich auch, dass ich das North London Derby sowie die vorangegangene Begegnung in der Champions League nicht gesehen habe. Ich befand mich im Urlaub an der portugisischen Algarve und habe, wie man auf Deutsch so schön sagt, die Seele baumeln lassen. Gut – am Sonntag musste ich doch schnell die Internetverbindung bemühen und das Ergebnis gegen die Sp*rs checken. Wie ich erwartet hatte – eine Niederlage. Im Nachhinein betrachtet, kann ich den Bericht der „The Sun“ am Folgetag nicht nachvollziehen. So schlecht haben wir nicht ausgesehen. Die Scumbags haben halt einen Lauf aktuell und wir nicht. Dann verliert man eben auch mal so ein Spiel. Ob das der Auslöser dafür war, dass meine Fischvergiftung sich in der Nacht noch bis in die späten Mittagsstunden melden sollte?

Wer während der EPL-Saison einen Urlaub an der Algarve erwägt – rund um Portimao am Pinha Da Rocha kommt man sich vor wie in Großbritannien. Ein Pub grenzt an das Nächste. Das Merseyside Derby am Samstag ebnete ein Straßenbild wie im Wilden Westen. Verwaist. Aus den Pubs drang Raunen, Jubel und Fluchen, wie man es sonst nur in GB gewohnt ist. Vorgetragen von krebsroten Engländern, Iren & Schotten. Ein sympathischer Haufen. Sonnencreme ist ohnehin vollkommen überbewertet. Wer es etwas ruhiger haben möchte, sollte sich vornehmlich an der Westküste situieren. Ruhige, schöne Strände, türkis-blaues Meerwasser – einzig der Wind könnte dem ein oder anderen zu schaffen machen. Ist auch eher Surfterritorium.

Und in der Welt des AFC – es ist ruhig. Nicht ganz. Das Lazarett lichtet sich. Squillaci ist zurück. Eine Stütze mehr für unsere oft kritisierte Abwehr. Nach dem Lauf von Djourou aktuell eine reale Option. Aber Laurent ist ja glücklicherweise auch wieder genesen. Freuen wir uns demnach auf die Kombo Gibbs – Mertesacker – Koscielny – Jenkinson. Schwarzmalerei war gestern. Gegen ein Chelsea in der aktuellen Verfassung müsste das an der Bridge am 29.10. ein 4-0 geben. Nicht für uns. Ich hoffe ernsthaft, dass wir den Interlull sorgenfrei überstehen und nun mit Hochdruck an der Defensivausrichtung des Teams gearbeitet wird. Warum wir nicht mit 2 defensiven Mittelfeldspielern aus Song und Coquelin (oder Frimpong) arbeiten, bleibt mir ein Rätsel. Unsere Offensivabteilung ist derweil nahezu ineffektiv. Eine Van Persie‘sche 3 monatige Urlaubspause vom Abstiegskampf entfernt. Oder sind wir schon mittendrin? Habt Ihr Angst?

Natürlich nicht. Wir sind „The Arsenal“ – wir haben, wie es der dublin‘sche Arseblogger Letzt so schön präsentierte, ein „The“ im Namen. Wir werden zurück kommen. Stärker denn je. Vielleicht nicht diese Woche und auch nicht in den nächsten Monaten. Nicht in dem Maße als Cesc noch bei uns die Fäden im Mittelfeld zog. Aber hat Cesc uns einen Titel ermöglichen können? Außer dem Emirates-Cup? Was sagt uns das? Es gilt, das Spielsystem umzustellen. Da ich kein gelernter Fussballtrainer bin, der etliche Jahre im Profifussball verbracht hat wie unser Professor, kann ich nur davon ausgehen, dass unsere große Stärke im Flügelspiel liegt. Gervinho, Walcott, The Ox, Arshavin – alles flinke Jungs, die einen Außenverteidiger (ja, auch Dich, Cashley) zur Weißglut bringen können. Arteta ist nicht dafür geschaffen, mit schnellen Bällen Löcher in die Abwehr zu reißen. Ebenso wenig wie Aaron. Noch nicht zumindest. Wie auch. Mikel kennt die Laufwege zu wenig, weshalb er den Ball nicht so gerne risikoreich passt. Warum? Unser Umschalten von Angriff auf Abwehr ist zu langsam. Das haben wir diese Saison schon oftmals mit ansehen müssen. 16 Gegentore aus 7 Spielen. Da gibt es keinen Interpretationsraum.

Ein perfektes Beispiel hierfür war der Treffer von Sylvie Van der Vaart. Mir ist es an der Stelle egal, ob es Hand war. Sie darf da niemals so frei stehen und den Ball in aller Seelenruhe annehmen. Schaut mal, wie ideenlos unsere Jungs da rumirren. Das ist kein Einzelbeispiel. Was Rose da mit dem Ball macht – ich meinte Walker – ist halt auch so eine Sache. Der darf so frei nie zum Schuss kommen. SZCZ muss den auf seine Kappe nehmen. Wie oft hat er vorher allerdings 100%ige vereitelt? Manuel Neuer, der wahrscheinlich aktuell weltbeste Keeper hatte letzte Saison bei S04 auch ein paar Aussetzer. Das muss man Weltklasse-Leuten zugestehen (siehe Oliver Kahn, WM-Finale 2002).

Es gilt nun, sich wieder auf simple Werte zu berufen. Durch Kampf zum Spiel. Das, was Youngster wie Coquelin, Frimpong & The Ox repräsentieren. Eben das, was unser Kapitän vermittelt. Sich einfach mal auflehnen (und dabei gerne ganz Bolton zerlegen wollen). „Wir brauchen Eier“ (Oliver Kahn). Was bitte sagt Arsene den Jungs vor dem Spiel gegen Tottenham? Nicht eine rote Karte, keine Eskalation? Da nehmen Leute ihren Job nicht ernst. Das ist Krieg auf 68 x 105 Meter. Danach können die gerne ein Pint gemeinsam trinken. Wobei – ist schon unangenehm für Rafael, wenn er volltrunken das Video mit dem dem Titel „Ghana & Cameroon team up to stuff the Netherlands“ sehen muss. Starring Frimpong, Song & Mrs. Van Der Vaart.

Arsene & Harry beim Pint – Clive Allen tupft den Herren währenddessen die Schweißperlen von der Stirn. Mit dem Bild, liebe Gemeinde, kann ich für‘s Erste leben. Vor allen Dingen weiß ich, dass Arsene Harry nach dem 5 Pint draußen vor der Tür Barton-mässig verprügeln wird. Das einzig Positive, was Barton einem Beibringen kann, ist korrektes Verhalten bei einer Pub-Prügelei. Tipps & Tricks.

Am Sonntag besucht uns Nick B. aka the best striker in the world.
Mein Schlußwort entlehne ich einem Twitterpost von @Arsenes_Eyes:

Mr Bendtner text. „Gutted I can’t face weakest defence in the league“
I reply „I always thought ‚in the stands‘ was your best position“

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