Ein erlebnisreicher Sommer liegt hinter uns. Sowohl was Zu- als auch Abgänge angeht. RVP & Song haben den Club verlassen. Bei Ersterem war es nach dem Statement im Juli abzusehen. Obgleich wir alle wohl auf einen Verbleib gehofft haben. Das der neue Verein nun ManU heißt, schmerzt zwar, wird auf Dauer aber zu verkraften sein. Immerhin sind es 30 Millionen Euro, die hierbei für einen verletzungsanfälligen Spieler mit 12 Monaten Vertragsdauer in die Kasse geflossen sind. Bei Alex Song weiß ich noch immer nicht, was genau schief gelaufen ist. Aber Barcelona ist für einen Fussballer schon ein nettes Pflaster. Muss man wohl neidlos anerkennen. Abgang Nummer 3 wird anhand aktueller Informationen kein Geringerer als Theo Walcott sein. Verständlich. Wenn ein Spieler sich derart krumm legt, eine Vertragsverlängerung zu unterzeichnen, sollte man ihn ziehen lassen.

Bei Song & Walcott ist der Tenor seitens des Umfelds ziemlich ähnlich. Beides Abgänge, die leicht zu verkraften sein dürften. Song hat zwar an guten Tagen Fabregas‘esque magische Passschuhe angehabt. In der Regel war es jedoch eher frustrierend, seinen gezwungenen Schnittstellenpässen beizuwohnen, die allzu oft beim Gegner landeten. TW14 – ein Spieler, dessen Geschwindigkeit seine einzige Waffe scheint. Ideenlos und technisch stellenweise unterbemittelt sind die negativen Aspekte, die seine Person begleiten. Sein Faible liegt eher bei Kinderbüchern. Darin liegt sein grösstes Talent.

Weitere Abgänge sahen wir in Carlos Vela. Der Mexikaner mit der wohl prätentiösesten Chip-Technik verließ uns gen Spanien. Traurig. Durchsetzen konnte er sich bei uns jedoch nie. Kyle Bartley‘s Abgang sehe ich schon eher kritisch. Er hat bei den Rangers überzeugt und war mit seiner Größe und physischen Präsenz wohl ein Mann für die Zukunft. Henri Lansbury hatte ebenfalls einen Stein im Brett. Arsenal-Fanatiker. Großartiges Tor gegen unsere Nachbarn im Carling Cup. Aber auch hier hat der Biss gefehlt. Angeblich liegt der Verkauf beider Spieler an einer Quote, die besagt, dass Spieler über 21 Jahren nicht mehr in der U21 (vormals die Reservemannschaft) spielen dürfen. Und AW schien auch keine weiteren Lohnengagements mehr anzustreben.

Die Zugänge sind allesamt hochqualitativ und kostengünstig gewesen. Poldi, Giroud und Cazorla für unter 40 Millionen Pfund. Da kann niemand ernsthaft unsere Ambitionen anzweifeln. Darauf einzugehen, inwieweit die 3 schon die erwartete Leistung abrufen können, wäre fatal. Es ist Ende August, die komplette Mannschaft trainiert seit knapp 3 Wochen gemeinsam. Das da die Laufwege nicht stimmen liegt auf der Hand. Persönlich würde ich dazu tendieren, alle 3 in den 2 bisherigen Spielen als „gut“ bzw. bei Cazorla „sehr gut“ werten zu wollen. Die physische Präsenz von Poldi & Giroud gegen Stoke war beeindruckend. Ich kann mich nicht daran erinnern, das wir diesem Rugby-Club schon mal physisch ebenbürtig, gar überlegen waren. Cazorla ist eindeutig das Fabregas-Substitut, welches wir im letzten Sommer nicht verpflichtet haben. Vision, Technik und vor Allem die Abschlussfreude zaubern einem nach jedem Spiel beim Gedanken an den Spanier ein Lächeln ins Gesicht.
Der Engländer betitelt es als: „The team has to gel.“

Genau da liegt jedoch das Problem. Durch die Abgänge hat sich das komplette Team an den vakanten Positionen verändert. Das Mittelfeld ist nun mit Diaby, Arteta und Cazorla bestückt. Vorne stehen Gervinho, Podolski und Giroud. Letzte Saison wurde das Spiel hauptsächlich über Song, Arteta und RVP gestaltet. Ich rechne mit einer Eingewöhnungsphase bis Oktober, je nachdem, wer (und ob überhaupt) jetzt noch dazu stößt.

Am Wochenende sind wir Gast an der Anfield Road. Wer das Spiel gegen ManCity verfolgt hat, weiß, das die auch Fussball spielen können. Allerdings dürfte sich das Spiel etwas offener als die Vorherigen gestalten. Liverpool hat kein Spielsystem, welches es möglich machen könnte, den Bus (oder gar Panzer) zu parken. So gesehen wird es die erste wirkliche Chance, zu sehen, wie unsere Mannschaft gegen ein eher offensives Ensemble bestehen wird.

Einen immensen Neuzugang vergass ich. Steve Bould. Die Defensivarbeit der letzten zwei Spiele war definitiv das Highlight. Zweimal die Null stehen zu haben ist schon mal ein Anfang. Man hofft, man wird in naher Zukunft nicht enttäuscht werden.