Hallo, Felix (@medispolis) hier. Christian macht wohlverdienten Blogurlaub, von daher werde ich demnächst hin und wieder mal einen Post beisteuern. Und was wäre passender in dieser doch irgendwie elendigen, fast schon langweiligen Länderspielpause, als auf unseren Saisonstart 2015/2016 zurückzublicken. Denn der bietet ja einigen Gesprächsstoff. Eure Eindrücke und Einschätzungen gerne in den Kommentaren.

Wo fangen wir an? Die letzten Wochen waren für uns Fans zwar abwechselungsreich, aber nicht gerade einfach. Die beiden Extreme bekamen wir in der vorletzten Woche zu spüren. Eine enttäuschende Leistung und verdiente Heimniederlage in der Champions League gegen Piräus – und fünf Tage später fast schon eine Gala und tolle wie geschlossene Teamleistung beim 3:0 gegen Manchester United. Genau zwischen diesen beiden Welten bewegt sich der Saisonstart unserer Gunners. Vieles lief gut, vieles lief schlecht. Entsprechend unterschiedlich fallen die Einschätzungen zum Saisonstart aus. Was fehlt: Konstanz in der Leistung – und zwar in der guten. Ich denke aber – und das versuche ich in diesem Beitrag zumindest deutlich zu machen – dass die positiven den negativen Aspekten überwiegen, wenngleich es einfach noch zu viele negative Begleiterscheinugen gibt.

Fakt ist aber auch: In der Premier League stehen wir gar nicht so schlecht da. 16 Punkte nach acht Spielen, nur zwei Zähler hinter Manchester City auf Platz 2. Im Kalenderjahr sind wir zusammen mit Crystal Palace das erfolgreichste Auswärtsteam der Liga. Die Auftaktniederlage gegen die Hammers vergessen wir mal recht schnell und haken sie unter Betriebsunfall ab. Seitdem haben die Leistungen in der Liga gestimmt. Bei Crystal Palace gewonnen, souverän beim bisher ungeschlagenen Leicester City. Und auch das Auswärtsspiel beim FC Chelsea sind wir in der ersten Hälfte sehr gut angegangen, bis Referee Mike Dean und der sympathische Diego Costa uns das Spiel – sagen wir, wie es ist – kaputt gemacht haben. Das Heimspiel gegen Liverpool hätten wir gewinnen können, wenn die Chancen konsequenter genutzt worden wären. So wie letzten Sonntag beim 3:0 gegen United. Was waren das für großartige erste 20 Minuten! Ich war dienstlich in München unterwegs und hatte im Pub mit einigen anderen Arsenal-Fans sehr viel Spaß. Die besten Leistungen sind immer die unerwarteten.

Also alles heile Welt und wunderbar? Mitnichten. In der Champions League fällt die Bilanz dürftig aus. Niederlagen bei Zagreb und zuhause gegen Olympiakos. Das war unwürdig und hat aus meiner Sicht viel an unserer Reputation in Fußball-Europa kaputt gemacht. Und das ist alleine eine Frage der Einstellung gewesen. Denn die Qualität haben wir ja, siehe Leicester, siehe die Partie gegen Man United. Und für die Einstellung ist natürlich in erster Linie das Team selbst verantwortlich, aber vor allem auch der Trainer. Wenger hat die Champions League auf die leichte Schulter genommen und steht jetzt zumindest in diesem Wettbewerb vor einem Scherbenhaufen, der zumindest gegen United gut zusammengekehrt wurde. Allerdings ist auch offensichtlich: Nur gute Leistungen in der Liga können die Schmach in der Champions League zukünftig aufwiegen. Zum ersten Mal in der Wenger-Ära nicht im Achtelfinale? Es scheint wahrscheinlich. Bei der Gruppe ist das natürlich eine Katastrophe. Wenger hat sich eine Grube gegraben, immer tiefer. Völlig unnötig, hätte man den Wettbewerb professionell begonnen. Eigentlich muss jetzt ein Sieg gegen den FC Bayern her, schon um noch die Restchance auf das Achtelfinale zu wahren, aber vor allem auch, um Fußball-Europa zu zeigen, dass Arsenal gegen die besten Teams des Kontinents immer noch guten und erfolgreichen Fußball spielen kann. Wir sind ja quasi schon begraben worden. Was in meinem Fanherz sehr schmerzt.

Bleiben wir kurz bei den negativen Begleiterscheinungen in dieser noch jungen Saison. Über die Rolle von Wenger habe ich mich schon ausgelassen. Seine Rotation in der Champions League, seine fast schon konfrontative Reaktion auf den CL-Pressekonferenzen zeigten einen angefressenen Trainer unter Druck. Der Sieg gegen United kam gerade sehr gelegen. Wenger ist auch unter Druck wegen des passiven Transferfensters. Da hat sich der Verein genauso unprofessionell angestellt wie in Zagreb und gegen Piräus. Wenger scheint immer noch zu häufig die Qualität und Konstanz unseres Kaders zu überschätzen. Wir sind eine Wohlfühloase mit wenig Konkurrenzkampf (diese Saison immerhin schon mehr als in den letzten Jahren) dank des dünnen Kaders. Was ist noch negativ aufgefallen? Wir haben wieder einige Verletzungen (Welbeck, Wilshere, jetzt auch Arteta, Koscielny und Flamini – und zu allem Überfluss auch noch Jeff, den ich sehr vermisse). Bei diesem eher dünnen Kader ist das Gift, eine komplette Saison auf mehreren Hochzeiten erfolgreich zu bestreiten. Im Winter muss nachgelegt werden. Geld ist da. Fuckin‘ spend it! Olivier Giroud ist aus meiner Sicht derzeit ein bisschen ein Sorgenkind. Seinen Stammplatz hat er an Walcott verloren, dazu der Platzverweis gegen Zagreb. Seine Torquote ist immer noch besser als letzte Saison, aber gefühlt ist es schon ein wenig ruhig um den Franzosen geworden. Gleiches gilt ein bisschen für David Ospina, der – höflich formuliert – einen bescheidenen Saisonstart hingelegt hat. Das Theater um seinen Einsatz beim FA-Cup-Finale im letzten Mai, dazu Gerüchte eines Wechsels im Sommer. Wenger scheint von Ospina sehr überzeugt zu sein. Um Vertrauen und Kredit bei den Fans wieder zu gewinnen, muss sich Ospina ziemlich anstrengen. Ähnlich fällt mein Zwischenfazit für Alex Oxlade-Chamberlain aus. Vor der Saison waren sich viele Fans und Experten einig: Das könnte seine Saison werden. Der Siegtreffer im Community Shield schien eine erste Bestätigung zu sein. Doch seitdem sind weitere positive Beweise selten geworden. Stammplatz verloren (auch weil Aaron Ramsey immer noch auf dem rechten Flügel besser spielt als The Ox) und sich bei seinen Einsätzen nicht unbedingt für einen solchen empfohlen. Wird interessant zu beobachten sein, wie die Saison von The Ox weiter verläuft.

Es ist also nicht alles Sonnenschein, aber eben vieles. Peter Cech ist die erhoffte Verstärkung auf der Torhüterposition. Saldieren wir mal den Fehler zum Auftakt gegen West Ham, hat Cech mit seinen Leistungen gegen Liverpool und Manchester United gezeigt, dass er die von John Terry prognostizierten 10 bis 15 Punkte für eine Mannschaft locker erfüllen kann. So ein Transfer müsste doch eigentlich auch Wenger die Gewissheit verschaffen, mehr Spieler zu verpflichten. Neben Cech bin ich vor allem von Hector Bellerin und Nacho Monreal begeistert. Seit langer Zeit besitzen wir zwei exzellente Außenverteidiger, die zudem auch noch offensiv gefährlich sind. Insbesondere Monreal hat in diesem Kalenderjahr nochmal einen riesen Qualitätssprung gemacht. Und Bellerin gehört sowieso die Zukunft. Gleiches gilt wohl auch für Theo Walcott auf der Position des Neuners. Christian und ich haben in einigen Podcasts häufiger unsere Skepsis bezüglich Walcott als Mittelstürmer geäußert. Meine Zweifel sind noch nicht komplett verflogen, aber die letzten Leistungen gegen Leicester und Man United sprechen für Walcott. Sieben Tore in den letzten neun Spielen für Arsenal und die Three Lions ist eine herausagende Bilanz. Dazu sehe ich von Walcott zum ersten Mal sowas wie abgesprochene und einstudierte Laufwege. Ziel von Walcott muss jetzt aber sein, diese Zahlen und Leistungen nachhaltig zu bringen. Gute Abschnitte in einer Spielzeit hatte Theo schon häufiger. Neben Walcott verdient auch Alexis Sanchez ein großes Lob. Holprig in die Saison gekommen, aber vom Einsatz soweit es körperlich eben ging immer bei 100 Prozent. Spielerisch dauerte es etwas, bis der Klick kam. Aber spätestens die Spiele bei Leicester und gegen United haben gezeigt, wie großartig und wertvoll Sanchez ist. Das 1:0 und 3:0. Hach! Hach! Hach!. Blicken wir noch kurz auf Mesut Özil, der sicherlich auch bedingt durch die Misserfolge in der Champions League in der deutschen Medienlandschaft wieder in der Kritik stand. Ja, Özil liefert nicht in jedem Spiel 90 Minuten Feuerwerk ab (was er, nebenbei bemerkt, auch noch nie gemacht hat). Aber er macht Arsenal besser – jederzeit. Vielleicht war das Tor gegen United der endgültige Knotenplatzer. Arsène Wenger hatte ja häufiger betont, wie sehr es Özil nervt, dass er nicht zu den Torschützen gehört. Ansonsten spielt er eine starke Saison. 31 Chancen hat Özil in dieser Saison bisher initiiert, zweibester Ligawert hinter Newcastles Payet. Und noch vor Santi, der auf 29 Chancen kommt. Auch Cazorla spielt wieder eine richtige gute Runde bisher. Und überhaupt: Kein Spieler in der Premier League hat seit August 2012 mehr Torvorlagen gegeben als Santi (insgesamt 32). Mit Coquelin bildet er eine stabile Doppelsechs.

Womit wir zum Schluss bei einem kleinen Ausblick sind, der natürlich auch davon abhängt, dass Coquelin fit und unverletzt bleibt. Gerade auf der defensiven Mittelfeldposition sind die Optionen dank der Anfälligkeit von Arteta und Flamini für kleine Wehwehchen sehr begrenzt. Viel vom weiteren Saisonverlauf hängt also davon ab. Das Konstrukt Arsenal 2015/2016 steht trotz der guten Ligaposition vor allem stimmungsmäßig immer noch auf eher wackeligen Beinen. Ziel von Mannschaft und Trainer muss es sein, jetzt Konstanz in die guten Leistungen hineinzubekommen. Watford und Everton sind die nächsten Aufgaben in der Premier League, dazwischen Champions League gegen den FC Bayern. Insbesondere gegen den FCB sollte man versuchen, sich wieder zu rehabilitieren. Das wird gegen die beste Mannschaft Europas nicht einfach. Aber solange die Chance auf das Achtelfinale besteht, muss man das Spiel so angehen, dass man sich zumindest selbst die Gelegenheit gibt zu gewinnen.

Es kann bei aller Euphorie und der positiven Bilanz in der Liga also wieder sehr schnell passieren, dass wir Fans uns vorkommen wie in einem Horrorfilm. Solche punktellen Ereignisse gab es die letzten Spielzeiten immer wieder. Es werden weniger, aber sie sind noch da. Große Qualität des Teams wie von Wenger war dann aus solchen Spielen die richtigen Schlüsse zu ziehen und einen Run von mehreren Siegen zu starten. Nach dem Spiel gegen Zagreb dachte man schon, dass ein Rückfall so schnell nicht kommt. Dann gab es den Horror gegen Piräus. Jetzt also der nächste Versuch.

Und wenn wir schneller als erhofft wieder in die Wenger-Grube fallen, schauen wir einfach den Flamini-Volley gegen Tottenham in Dauerschleife.

Cheers (wir lesen uns mit einer Analyse des Spiels gegen Watford wieder)

Felix