Den Punktverlust der Spurs konnte Arsenal mit einem Sieg gegen Leeds United ausnutzen. Auf dem Papier am Ende knapp, aber im Ergebnis passend und vom Spielverlauf sehr verdient. Was haben wir gut, was weniger gut gespielt? Und was bedeutet die Ausgangslage für das NLD am kommenden Donnerstag? Darüber sprechen wir in dieser Ausgabe 187 vom Germangunners Podcast.
Wir freuen uns wie immer über Lob, Kritik, Fragen und Anregungen, gerne direkt hier unter diesem Beitrag, auf Twitter, Facebook oder gerne auch per E-Mail.
Nun aber genug der Worte. Hier könnt ihr den Podcast direkt downloaden. Hier per Apple Podcasts beziehen oder hier per RSS Feed. Wir sind auch bei Spotify vertreten. Klassisch hört ihr einfach über die Website rein.
Moin aus Berlin! Felix hier. Bevor Christian morgen auf das Spiel gegen Leeds United blickt und wir nach dem Spiel Ausgang und Ausgangslage im Podcast ausführlich diskutieren, kommt von mir im Folgenden ein Beitrag, den ich eigentlich schon einmal im Mai 2017 schreiben wollte.
Mai 2017, direkt nach dem Finale im FA-Cup um genau zu sein, das wir bekanntlich mit 2:1 gegen Chelsea gewonnen hatten. Es gibt so Spiele und Fußballnachmittage, an die man sich noch lange erinnert. Bei mir waren es in diesem Spiel auch die äußeren Umstände. Ich saß Samstagmorgen bei Kaffee und Baguette im sonnigen Kalifornien (San Diego) und versuchte mühselig einen funktionsfähigen Stream zu erhalten. Ich hatte bei weitem keine Erwartungen an dieses Spiel. Aber je fortgeschrittener der Spielverlauf, desto emotionaler und nervenaufreibender wurde mein Involvement. Ich hatte auch deswegen keine großen Erwartungen, so meine Erinnerung, weil der übermächtige FC Chelsea in nahezu Bestbestzung gegen uns antrat und wir mit einigen Ausfällen zu kämpfen hatten. Kein Koscielny, kein Mustafi (Thanks God!), kein Gabriel Paulista. Die Dreierkette bestand aus Mertesacker, eben Rob Holding und Nancho Monreal. Über die Leistung von Per Mertesacker ist im Nachgang des Finales viel gesprochen worden, über die von Rob Holding weniger, war sie aber trotzdem nicht weniger einer Würdigung wert. Hallo, Diego Costa!
Holen wir das nach, weil ich mich aufgrund der erneuten Einsätze von Rob Holding in den letzten Spielen wieder häufiger an den Mai 2017 erinnert habe. Mit seinen guten Leistungen beim FC Chelsea und zuletzt West Ham United hat sich Rob Holding wieder in Erinnerung gerufen. Ich finde, es auch so bemerkenswert, was Rob Holding macht (oder auch nicht macht) auf dem Platz, weil es stellvertretend für die Höhen und Tiefen des FC Arsenal in dieser Saison steht. Holding spielte am 2. und 3. Spieltag gegen Chelsea und bei Manchester City – die Ergebnisse sind bekannt. Danach war er mehr oder weniger mehrere Monate nicht im Kader. Es gibt Spieler, die daran verzweifeln, sich aufreiben und nicht mehr qua Leistungspotential zur Verfügung stehen und Berücksichtigung finden.
Und wie muss sich Rob Holding nach den ersten drei Saisonspielen gefühlt haben? Er hatte erneut eine Chance bekommen, konnte sie wieder nicht nutzen, vor allem auch weil die äußeren Umstände nicht positiv für ihn waren. Das Team war zu Saisonbeginn im August eine vorübergehende Katastrophe.
On and off – irgendwie war das stellvertretend für die gesamte Arsenal-Karriere von Rob Holding bisher. Seit fast sechs Jahren ist er im Verein, für die mickrige Ablösesumme von drei Millionen Euro von den Bolton Wanderers zu uns gewechselt. Aber hat jemand den Eindruck, dass Holding seit seiner Verpflichtung konstant auf hohem Niveau dabei war? Sicherlich nicht. 81 Premier League Einsätze in knapp sechs Jahren sind erst einmal kein Leistungsnachweis, der für eine Lobpreisung herhält. Aber Quantität ist eben nicht Qualität. Rob Holding hatte das Pech, das ihm immer jemand vor die Nase gesetzt wurde, als er vielleicht kurz vorm Durchbruch gewesen war. Mal hießen diese Spieler mit Nachnamen Mustafi, mal Luiz, mal Sokratis. Und gerade als er vielleicht wieder dran war, riss das Kreuzband im Knie.
Also eigentlich alles kein Stoff für übermäßiges Lob. Doch, wenn man auf die Details schaut. Oder wie es Mikel Arteta zuletzt so gut formulierte: Good things happen to good people. Holding hätte wechseln können, hätte entmutigt werden können von den Ups and Downs seiner Karriere bei Arsenal. Er ist es nicht. Er war immer dann da, wenn man ihn gebraucht hat (und vielleicht die wenigsten mit ihm gerechnet haben). Holding stand in beiden Startelfs und spielte 90 Minuten, die gegen Chelsea und Liverpool den Community Shield gewannen. Über seine Beteiligung im FA-Cup Finale 2017 habe ich schon geschwärmt. Holding spielte 90 Minuten im FA-Cup Finale 2020 beim Sieg gegen Chelsea. Wenn es große Spiele gab, spielte Holding groß auf. Die Leistungen in den letzten Wochen machen aus meiner Sicht das Puzzle vorerst komplett. Und damit meine ich auch sein Engagement und sein Commitment nach Einwechselung in Spielen, wie bei den Wolves, wo wir zu zehnt einen Sieg über die Ziellinie gebracht haben.
Und natürlich gab es Tiefpunkte und schlechte Leistungen (siehe FA-Cup dieses Jahr gegen Nottingham). Diese Leistungen haben sich aus meiner Sicht eher ins kollektive Bewusstsein über Holding gebrannt als die vielen einzelnen exzellenten Leistungen von ihm, an die man sich vielleicht nicht mehr so häufig erinnert. Insofern freue ich mich umso mehr, dass Holding momentan mehr Spielzeit bekommt, um das ein oder andere Ereignis in seiner Arsenal-Karriere wieder in das Bewusstsein der Fans zu rücken.
Rob Holding ist nicht der Superstar. Aber er ist genau der Typ von Spieler, den ein Team braucht, den Arsenal braucht, gebracht hat und benötigen wird. Er ist verlässlich und zuverlässig. Und es ist alles andere als selbstverständlich, dass Holding noch im Verein ist und sich immer wieder diese Gelegenheiten erspielt hat.
Ben White wird am Sonntag gegen Leeds sicherlich mit Blick auf das Derby gegen die Spurs noch geschont. Es dürfte also eine weitere Chance für Holding geben, ein weiteres Puzzleteil in den Positiv-Korb zu werfen. Es wäre ihm sehr zu wünschen.
Bei allem Glamour, Geld und Ruhm vergessen wir manchmal die unscheinbaren, kleinen Dinge im Fußball. Rob Holding und Arsenal gehört dazu. Schön, dass es in den letzten Wochen anders wurde. Hoffentlich geht das so weiter.
Soeben wurde bekanntgeben, dass der Vertrag von Mikel Arteta bis zum Ende der Spielzeit 2024/2025 verlängert worden ist. Damit setzt der Verein ein klares Zeichen hin zum bisher eingeschlagenen Weg des Trainers und seiner Philosophie für den Verein und das Spielsystem.
Für mich persönlich die absolut richtige Entscheidung und zudem eine Entscheidung zu einem sehr guten Zeitpunkt. Wir nähern uns dem Ende einer Spielzeit, in welchem wir den ersten Schritt, die Rückkehr in den europäischen Fußball bereist vollzogen haben und sogar noch mehr möglich ist. Der Verein zeigt damit auf, dass man langfristig plant und planen möchte. Eine Strategie die bei Arsenal nicht unbekannt und durchaus von Erfolg gekrönt war.
Felix und ich sprechen am Montag Abend mehr im Detail, was dies für die Zukunft Arsenals bedeutet und was weiter zu erwarten ist. Nun steht jedoch erste Leeds auf dem Plan, was die nächste Herausforderung für Arteta und seine Mannschaft wird.
Was ein neuerlicher Big Point am gestrigen Abend im London Stadium gegen West Ham United. Ein 2:1 Sieg hält Arsenal weiter in der Pole Position um den Einzug in die Champions League für die kommende Saison. Dabei war es wahrlich keine spielerische Glanzleistung, die das Team von Mikel Arteta ablieferte. Dies traf jedoch auf beide Teams zu. Doch schlussendlich sind es im Kampf um Platzierungen und insbesondere so kurz vor Ende einer Spielzeit eben nicht die spielerischen Highlights sondern die Ergebnisse die zählen. So sprach Mikel Arteta auch berechtigt von einem „dreckigen“ Sieg.
Aufgrund des Ausfalls von Ben White musste kurzfristig umgestellt werden und Rob Holding rückte in die Innenverteidigung. Ein Wechsel der sich nicht nur auf der Anzeigetafel sondern auch dem Feld auszahlen sollte. Holding lieferte erneut eine absolut reife und professionelle Leistung ab, die dazu führte, dass man in der Defensive weiterhin stabil stand und dadurch lange Zeit die knappe Führung halten konnte. Tomiyasu rückte ebenfalls zurück in die Startelf. Die gesamte Partie hielt er jedoch nicht durch und musste frühzeitig vom Feld. Genau Infos dazu gibt es noch nicht. Hoffentlich nur ein Thema von Fitness nach langer Ausfallzeit.
Mit dem gestrigen Sieg sicherte man sich bereits die Qualifikation zur Europa League. Die Rückkehr auf die europäische Bühne ist damit bereits gesichert. Doch Fans und auch Mannschaft wollen natürlich nun mehr. Das merkt man dem gesamten Umfeld an und das ist auch gut so. Fußball wird gespeilt um Erfolge zu verzeichnen auch wenn manche Kommentaren auf der Insel dies nicht akzeptieren wollen oder uns zumindest nicht gönnen mögen. Der gestrige Sieg war aufgrund des vorgelegten Sieges der Spurs enorm wichtig. Nun geht es gegen Leeds und die Spurs müssen zu Liverpool. Alles möglich also am kommenden Spieltag. Leeds kämpft ums nackte Überleben, was es nicht wirklich einfach macht. Pool kämpft um die Meisterschaft. Es ist also an beiden Enden der Tabelle knapp und wir sind mittendrin.
Der gestrige Big Point dürfte uns jedoch weiter helfen mental bereit zu sein für die kommenden Spiele. ich gehe nicht davon aus, dass wir Ergebnisse sehen werden in denen wir einfach zum Sieg „cruisen“. Dafür steht zu viel auf dem Spiel für alle beteiligten Mannschaften. Aber ist es nicht genau das was wir wollten? Eine Chance das übergeordnete Ziel zu erreichen?! Natürlich sind solche Partien wie die gestrige aus Fansicht anstrengend. Aber es macht einen Erfolg um so schöner. Sonntag geht es weiter. Wir sind bereit!
Nun sind wir wahrlich im Endspurt und seit letzter Woche haben wir auch das Schicksal über diesen Endspurt wieder selbst in der Hand. Dies führt uns heute in London Stadium zum Spiel gegen die Hammers. Es sind nicht mehr viele Punkte zu vergeben und wenn man bei den Hammers drei Punkte holen würde so wäre das ein sehr großer Schritt.
West Ham selbst kommt aus dem Hinspiel gegen die Eintracht und einer dort erlittenen Niederlage. Die Partie um den Einzug in das Finale der Europa League ist für die Mannschaft von David Moyes doch bei Weitem nicht verloren. Dies bedeutet auch, dass man davon ausgehen muss/kann, dass das Thema Rotation ganz oben auf der to do Liste von David Moyes stehen wird. Der Focus der Hammers kann nur auf dem Rückspiel liegen auch wenn dies niemand offen so kommunizieren wird. Von Nachteil kann dies in jedem Fall für uns nicht sein.
Doch man muss deutlich sagen, dass wir uns in keinem Fall darauf verlassen können bzw. dürfen, dass wir aufgrund dieses Umstandes auf geringeren Widerstand treffen werden. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass die Hammers versuchen werden, gleich mit welcher Startelf, sich das nötige Selbstvertrauen zu verschaffen, um optimal in das Rückspiel gegen die Eintracht zu gehen.
Es ist also neben der Frage der fußballerischen Thematik für mich insbesondere auch eine der mentalen Einstellung der Mannschaft. Das man West Ham unterschätzt nach der Saison die sie gespielt haben sollte man ausschließen können. Man sollte jedoch darauf achten, dass man den vorgenannten Gedanken aus dem Hinterkopf streicht. Mit Siegen gegen Chelsea und United muss man sich genügend Selbstvertrauen geschaffen haben, um auch im Derby gegen West Ham mit einer klaren Struktur zu agieren.
Arteta wird entscheiden müssen, ob er Eddie weiter starten lassen wird, ob er Tomiyasu in die Startelf zurückkehren lässt. Beide Fragen für mich solche die man mit einem klaren „Ja“ beantworten sollte. Auch im Mittelfeld sollte es keine Änderung geben, sodass Xhaka mit Eleneny die Achse bilden sollte. Nun entscheidet sich, wo man am Ende der Saison landet. Die Mannschaft hat den Glauben an das Große Ziel zurückerobert. Schauen wir, ob sie dies auch heute weiter tun wird.