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Die Arsenal-Champions-League-Wundertüte sollte wieder geöffnet werden. Von einem knappen Sieg bis zu einer deftigen Klatsche konnte ich mir alles vorstellen, zumal wir Gunners unter Druck zu allem fähig sind (positiv wie negativ). Mehr positiv als negativ am Dienstagabend. 2:0 gegen den FCB, dank starker Defensive und etwas Glück bei der Chancenverwertung.

Wir hatten uns durch die beiden Niederlagen gegen Zagreb und Piräus ja selbst in die missliche Lage gebracht, gegen Bayern gewinnen zu müssen, um die Chance auf das Achtelfinale theoretisch aufrecht zu erhalten. Denn das sollte und muss bei aller Enttäuschung in der bisherigen Saison unser Anspruch sein. Jetzt gibt es für ein Fußballteam deutlich angenehmere Ausgangslagen, als gegen die vielleicht beste Mannschaft der Welt gewinnen zu müssen. Von daher war es erneut interessant zu sehen, wie das hin und wieder fragile Gebilde damit vor allem psychologisch umgeht. Da können die warmen Worte von Guardiola bezüglich der Stärke unserer Gunners fast schon ungehört weggewischt werden. Das Team sollte durch die Leistungen in der Premier League selbst wissen, dass es gut in Form ist. Womit wir wieder bei der Ausgangslage sind: Wie schrieb Raphael Honigstein in der Süddeutschen Zeitung so treffend: Arsenal hat das Potential, gegen jede Mannschaft gewinnen zu können – aber eben auch zu verlieren.

Arsenal musste auf David Ospina verzichten, der an einer Schulterverletzung laboriert. So kam Peter Cech zu seinem ersten Spiel im Arsenal-Trikot in der Champions League (hätte er auch gespielt, wenn Ospina fit gewesen wäre?). Arsène Wenger hatte bereits auf der Pressekonferenz am Montag verlautbaren lassen, er sehe keinen Grund, Özil und Sanchez zu schonen. Dementsprechend gab es konsequenterweise keine Veränderungen zur Startelf vom 3:0 bei Watford. Wenger nimmt die Champions League Ernst. Leider vielleicht zu spät. Bei den Bayern kehrte Douglas Costa in die Startelf zurück, Bernat bekam in der Defensive den Vorzug vor Javier Martinez (leichte Kniebeschwerden). Alaba rückte in die Innenverteidigung. Alonso auf der Doppelsechs, Bayern also im 4-3-3.

Kernaufgaben also: Gute Leistung zeigen, um das Selbstvertrauen für die Liga hoch zu halten. Und dann mal schauen, ob man die Bayern ärgern kann. Und nebenbei vielleicht Fußball-Europa zeigen, dass man mit dem besten Team mithalten kann.

Es war kein stürmischer Beginn von uns, im Gegenteil. Arsenal agierte eher abwartend, tief stehend. Bayern mit deutlich mehr Ballbesitz zu Beginn. In der 7. Minute erwachten wir zum ersten Mal. Konter über Alexis, Özil mit dem schwächeren rechten Fuß, Neuer hält super, der Nachschuss von Walcott wird geblockt. Dann wieder nur Bayern, teilweise über 70% Ballbesitz für den deutschen Rekordmeister. Aber Cech war gegen die Schüsse von Costa, Thiago und Vidal stets gut auf dem Posten. Bayern war unglaublich ballsicher und konnte die wenigen Kontersituationen von uns bereits im Keim ersticken, auch weil die Gunners zu schnell den Ball verloren haben. Bellerin hat reichlich zu tun mit dem noch schnelleren Costa, Özil war bei Thiago und Alonso bestens aufgehoben. Arsenal wurde bis auf Weiteres der Zahn sehr schnell gezogen.

Erst nach einer guten halben Stunde wurden wir stärker, bekamen mehr Ballbesitz und Spielanteile in der Hälfte der Bayern. Erst verzogen Walcott (Theo muss an seinem Abschluss arbeiten!) und Sanchez, bevor erneut Walcott in der 33. Minute die Riesenchance zur Führung hatte. Flanke Monreal, Kopfball Walcott, Weltklasse-Save von Neuer, den Nachschuss bringt Ramsey auch nicht auf das Tor. Auf so einem Niveau gegen so einen Gegner müssen solche Chancen dann auch einfach mal genutzt werden! Arsenal bestimmte die weitere Phase bis zum Halbzeitpfiff. Insgesamt eine sehr ordentliche erste Halbzeit von uns. Vielleicht etwas zu passiv in den ersten 15 Minuten, aber dann sehr engagiert und konzentriert. Es fehlte die effiziente Chancenverwertung, denn so viele Gelegenheiten wie der Kopfball von Walcott bekommt man gegen die Bayern nicht.

Keine Wechsel zur zweiten Hälfte. Der zweite Durchgang begann wie die erste Halbzeit. Costa verzog knapp, Cech lenkt einen Lewandowski-Schuss über die Latte. Von uns kam wenig. Walcott konnte die Bälle vorne nicht halten, Bayern konnte sich von unserem Pressing stets hervorragend befreien. Es bleib dabei: Insgesamt zu viele Ballverluste, aber wir waren im Spiel und setzten Einsatz und Leidenschaft gegen die spielerische Überlegenheit der Bayern. Über 600 Pässe der Bayern! Zu allem Überfluss zog sich Ramsey eine Oberschenkelzerrung zu. Das sieht nach längerer Pause aus, leider. The Ox kam nach gut einer Stunde, zunächst änderte sich wenig. In der 74. Minute hatte Wenger ein Einsehen und brachte Giroud für Walcott. Erst stand aber Cech wieder im Mittelpunkt, der in der 75. Minute großartig gegen Lewandowski hielt. Zwei Minuten später dann die Führung für uns. Freistoß in die Mitte, Neuer fliegt vorbei, Giroud ist da und der Ball kullert über die Linie. Glücklich, aber egal. Arsenal brachte die Führung mit viel Laufarbeit, Einsatz, Kampf und Hingabe bis in die Nachspielzeit, setzte Bayern sogar in deren Hälfte noch unter Druck. Bellerin schnappte sich den Ball, toller Lauf, präzise Flanke auf Özil für das 2:0. Neuer kann den Ball nur noch hinter der Linie retten. Schlusspfiff.

Insgesamt ein glücklicher Sieg, aber genau das, was wir brauchten. Hätte sicherlich auch anders ausgehen können, zumal Bayern natürlich spielerisch mehr vom Spiel hatte. Aber die besseren Chancen hatten die Gunners. Drei Punkte für das Selbstvertrauen in der Premier League und als Wiedergutmachung um Fußball-Europa zu zeigen, dass wir so schlecht gar nicht sind.

Wenn man halt mit der besten Elf spielt. Cech sowas von souverän, sicher und dominanter Rückhalt. Mit ihm ist die Defensive noch einmal eine Klasse besser. Özil und Sanchez wie Walcott hatten nicht ihren besten Tag, dafür aber erneut Coquelin und Monreal, die ich herausragend gut fand. Auch Bellerin steigerte sich nach den schwierigen ersten 15 Minuten enorm.

Was die Champions League angeht, ist natürlich noch nicht alles repariert. Hätten wir doch nur gegen Zagreb und Piräus so gespielt wie am Dienstagabend im Emirates. Wir sind weiter im Rennen um den zweiten Platz. So weit so gut. In zwei Wochen nochmal so eine Einstellung und Hingabe wie heute. Aber erstmal Everton am Samstagabend. Das wird die nächste große Hürde. Aber das Team scheint derzeit zumindest endlich den Lauf und Rhythmus gefunden zu haben, den wir uns alle schon Anfang September erhofft hatten. Vor allem was die defensive Stabilität angeht. Das sieht sehr gefestigt aus.

Kommt gut durch die Woche

Cheers
Felix

P.S.: Christian ist bald wieder aus dem Urlaub zurück, sodass es nächste Woche auch eine erneute Episode des Germangunners-Podcast geben wird. Bis spätestens dahin. Hoffe, ich war ein adäquater Ersatz. Wir lesen oder hören uns.